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Kurznachrichten April 2005




Pünktchen: Für ein weggeworfenes Kinderspielzeug aus Plastik hielt ein Junge im ersten Moment die kleine Sumpfschildkröte, die er in Siegen in der Nähe der City-Galerie auf der Erde liegen sah. Als er sich bückte, um das vermeintliche Plastikspielzeug aufzuheben, begann das Krötchen- kaum größer als ein Zwei-Eurostück –plötzlich in seiner Hand zu strampeln. Da er von der Aufzucht einer kleinen Sumpfschildkröte keinen blassen Schimmer hatte, tat er das einzig Richtige und lieferte das Baby bei uns im Tierheim ab. „Pünktchen“, wie wir den Winzling tauften, entwickelt einen Riesenappetit, futtert mehrmals täglich seine Baby-Spezialnahrung und hat riesengroßes Glück gehabt, dass er rechtzeitig gefunden wurde.

 

Sehr häufig werden diese niedlichen, kleinen Sympathieträger aus einem spontanen Entschluß heraus gekauft ,(ach, wie goldig!) ohne dass man auch nur den Hauch einer Ahnung von fachgerechter Haltung hat. So ist es leider nicht verwunderlich, dass ca. achtzig Prozent von ihnen die ersten zwei Jahre nicht überleben. Es ist wirklich die größere Tierliebe, von dem Kauf eines solchen Tieres Abstand zu nehmen, zumal sie für Kinderhände völlig ungeeignet sind. „Pünktchen“ hatte Glück im Unglück, viele , viele Artgenossen leider nicht!

 

Karlchen Schröder: Als ein Schaf bezeichnet zu werden, noch dazu als ein schwarzes, gehört nicht unbedingt zu den wünschenswerten Dingen im Leben. Wer aber einmal unser „Karlchen Schröder“ kennen gelernt hat, wird seine Meinung diesbezüglich sofort ändern. An einem Samstagnachmittag im April erhielt unser Bereitschaftsdienst einen Anruf, dass in Holzhausen ein Schaf gefunden worden sei und wir es bitte abholen sollten. Als das Tier dann im Hof aus dem Tierschutzauto stieg, waren alle Anwesenden sofort total entzückt von dem kleinen schwarzen Lämmchen, welches da laut blökend über den Hof trippelte und überall Streicheleinheiten suchte. Das Böckchen wurde in einem Wiesenfreilauf mit einer kleinen Holzhütte untergebracht, doch saftiges Gras, duftendes Heu, Äpfel und Möhren konnten es kaum locken, es wollte einfach nur mit Menschen kuscheln und begann jämmerlich zu blöken, sowie es allein bleiben musste.



Spätere Nachfragen bei Polizei und Kreisveterinär blieben erfolglos und es wurde die Vermutung geäußert, dass ein durchziehender Wanderschäfer wohl das Tierchen zurückgelassen habe. Bald stellte sich nämlich heraus, dass „Karlchen Schröder“ absolut nicht fit war. Er nieste, hustete und hatte auch Fieber. Auf tierärztlichen Rat kam er dann in ein gut warmes Quartier und wurde mit Antibiotika versorgt, bis es ihm wieder besser ging. Inzwischen ist er gesund und lebhaft, bezaubert alle mit seinem Charme und ist zum Liebling des gesamten Tierheimpersonals avanciert. Die Praktikantinnen reißen sich darum, mit ihm zum grasen auf die Wiese zu gehen –er ist absolut leinenführig- und jeder verwöhnt ihn nach Strich und Faden. Da sich bisher trotz aller Bemühungen noch kein Besitzer gemeldet hat, ist „Karlchen Schröder nun zur Vermittlung frei und sucht ein liebevolles schafgerechtes Zuhause bei netten Tierfreunden.

 

 


 

 

Goldie: Mittwoch, 20.04. abends 20.45 Uhr. Wegen eines Seminars sind noch einige Personen im Tierheim, da klingelt es am Tor. Draußen steht ein Mann mit einer Katzenbox, in der sich ein bildhübsches dreifarbiges Kätzchen befindet . “Hallo, diese Katze ist mir vor zwei Tagen zugelaufen, ich möchte sie jetzt abgeben!“ Auf die eher ungewöhnliche Uhrzeit angesprochen, zuckt der Mann nur die Schultern. Das noch junge Katzenmädchen wird in die letzte freie Box einquartiert und zum Schluß muß nur noch der Findlingsvertrag ausgefüllt werden.„So, nun möchte ich gerne mal die Wahrheit wissen!“ meint die Tierheimleiterin, „ich merke Ihnen doch an: Entweder ist es Ihre Katze oder Sie wissen zumindest, wo sie hin gehört!“ Der junge Mann druckst etwas verlegen herum und rückt dann mit der Wahrheit heraus:“ Ja, also die „Goldie“ gehört einer Bekannten, die ein Baby bekommt und heute morgen hat die Frauenärztin gesagt, wenn sie die Katze nicht abgäbe, bekäme das Kind einen Wasserkopf!“

 

Die Frage nach dem Namen der Ärztin kann (oder will) er allerdings nicht beantworten, nun soll er aber doch noch einige Angaben über das Tier machen. Alter? Kastriert? Geimpft? So ruft er seinen Kumpel, den Lebensgefährten der Katzenbesitzerin über Handy an. „Hallo, sie hats sofort gemerkt, ich musste am Ende doch alles zugeben!“ Nach Beendigung des Telefonats erklärt er strahlend: „Mein Kumpel kennt Sie, er durfte bei Ihnen mal Sozialstunden machen und hat gesagt, er sei von Ihnen immer freundlich behandelt worden und ich soll Ihnen schöne Grüße bestellen!“ Er erklärt, das Kätzchen sei vor zwei Monaten geimpft worden und den Impfausweis brächte er gleich am nächsten Tag vorbei. „Kann ich mich auch wirklich darauf verlassen?“ fragt die Leiterin und bekommt die entrüstete Antwort:“ Na hören Sie, ich werde Sie doch nicht ein zweites Mal belügen!“ Auf den Impfausweis warten wir allerdings noch heute…

 

Für einige unserer „Oldies“ und „schwer Vermittelbaren“ war der April ein echter Glücksmonat, da sich liebe Hundefreunde fanden, die sie aufnahmen.

 


 

 

 

Einer von ihnen ist unser „Manfred“, der mit kurzen Unterbrechungen insgesamt drei Jahre im Tierheim saß und nun auf Grund der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ vermittelt werden konnte. „Manfred hat eine ganz tolle junge Familie gefunden! Er ist Holländer geworden, hat aber versprochen, bei Fußballspielen weiterhin für Deutschland zu wedeln.

 

 

 

In eine Superpflegestelle durfte „Dorothy“ einziehen, das dreizehnjährige Foxterriermädchen, dessen gesundheitlicher Zustand uns hier im Tierheim riesengroße Probleme bereitete. Deshalb freuen wir uns alle mit der kleinen Maus, dass sie gerade bei einer Tierärztin gelandet ist. Telefonisch kam auch schon die Nachricht, dass sie sich wunderbar eingelebt hat und man sie nie wieder hergeben würde!“



 

 

Mit ihrem sanften und einfühlsamen Wesen schaffte es die zwölfjährige schwarze „Sina“ (wir nannten sie: unsere Rittersport-Schokolade, -quadratisch, praktisch, gut- ) einen Gassigänger so zu bezaubern, dass er sie endgültig mit heim nahm. Sie hätten sie sie erleben müssen, als sie abgeholt wurde: Sie wusste haargenau, worum es ging und marschierte wedelnd und mit hoch erhobenem Kopf aus dem Tierheimtor: Geschafft, mich will doch noch einer haben!

 

 

Viel Glück hatte auch der Schäferhundmix „Tobias“. Zwar war er noch nicht so lange bei uns, hatte aber wegen eines Unfalls eine schwer verkrüppelte Vorderpfote und war von Narben schwer gezeichnet. Er war aber voller Lebensfreude und außerdem der größte Schmusebär unter der Sonne. Auch für ihn fand sich ein wunderbares Zuhause und wir hörten von den neuen Besitzern, dass er sogar schon ohne Leine läuft, fantastisch hört und nur eine Angst kennt: Seine Familie zu verlieren!



Als Letzte konnte dann noch „Asta“ bei lieben Menschen einziehen, „Asta“, die- ist das nicht sehr traurig – erst im Tierheim richtig aufblühte. Aus schlechtem Zuhause stammend –überwiegend Kellerhaltung- war sie anfangs extrem misstrauisch und ließ sich erst nach zwei Wochen Aufenthalt bei uns anfassen und anleinen und auch das lediglich von zwei Personen. Inzwischen ist sie eine total verschmuste, lebensfrohe Hündin geworden, hat allerdings schwere chronische Ohrprobleme .Dieses- und noch dazu das Alter, knapp acht Jahre, -schreckt die meisten Menschen ab, zu einem solchen Tier ja zu sagen, nicht aber ihre jetzige Familie, die sich ganz bewusst gerade für „Asta“ entschieden hat.

 

 

 

 

Wir wünschen all unseren Vierbeinern sowie ihren neuen Besitzern alles, alles Gute und eine wunderbare lange Zeit miteinander. Herzlichen Dank all jenen Hundefreunden, die gerade einem älteren oder behinderten Tier ein Zuhause geben, und falls Sie, lieber Leser nun meinen: „ Das ist doch auch wirklich eine tolle Sache!“ so kann ich Ihnen nur sagen: Es gibt noch ganz viele Hunde mit ähnlichen Schicksalen bei uns im Tierheim, die unglaublich gerne bei lieben Tierfreunden einziehen würden. Vielleicht bei Ihnen?

                                  



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