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Kurznachrichten Juli 2004




Es passiert leider immer wieder, dass auf den Straßen viele Katzen überfahren werden, ein ständiger Albtraum der Katzenbesitzer, die ihren Samtpfoten Freilauf nach draußen gewähren. Ein solches überfahrenes und schlimm zugerichtetes Tier aber "zur Dekoration" unter unser Schild: "Herzlich willkommen im Tierheim Siegen" zu legen, ist wirklich der Gipfel der Geschmacklosigkeit und zeugt von niederstem geistigem Nivea! So geschehen am 22.7.04 mit einem kleinen roten Kater.

 

"Buba" oder der kleine blinde Passagier: Nachts um 0.30 Uhr klingelt beim Bereitschaftsdienst das Telefon. Am Apparat ist ein Herr vom Bundesgrenzschutz und es heißt für unsere Mitarbeiterin wieder mal: Achtung - Einsatz! Diesmal handele es sich um eine nicht ganz alltäglich Geschichte. Wie der Bundesgrenzschutz ermittelt, ist abends in Marburg eine Person mit Hund in ein Zugabteil der Bundesbahn eingestiegen und verließ den Zug in Biedenkopf. Die zurückgelassene kleine Hündin fuhr als blinder Passagier nach Bad Laasphe, wo sie von einem Schaffner entdeckt wurde. Dieser veranlasste, dass das Tier mit einer Begleitperson nach Siegen weiterfuhr, wo es schließlich von uns in Empfang genommen und ins Tierheim gebracht wurde.

 

Eine ziemlich ungewöhnliche Art, ein Tier auszusetzen! Die hübsche 7 - 8 jährige Terrier-Mix-Hündin wartet nun - nach erfolgter medizinischer Betreuung im Tierheim auf liebe Menschen, die ihr ein gutes neues Zuhause geben. Damit ihr Schicksal nicht vergessen wird, hat sie den passenden Namen bekommen: "Buba" = Bundesbahn!

 

In Dreis-Tiefenbach wird einer Dame beim Spazierengehen vor ihren Augen ihr Hund vom Bus überfahren. Die Dame steht unter Schock, kann nicht reagieren und bittet um Hilfe. Da keine Behörde sich zuständig fühlt (normalerweise ist das eine Sache des Straßenreinigungsdienstes) und das tote Tier ja schließlich nicht blutend auf dem Bürgersteig liegen bleiben kann, soll nun der Tierschutzverein tätig werden. Eine ehrenamtliche Außendienst-Mitarbeiterin fährt hin, um dem Hund in eine Tierarztpraxis zu bringen. Ihr bietet sich ein entsetzliches Bild, und es gelingt ihr kaum, den übelst zugerichteten Hund mittels Decke in ihr Auto zu schaffen. Wir meinen: Ein Blumenstrauß für diesen Dienst wäre schon angebracht gewesen!


Abends gegen 20.00 Uhr, wir wollen gerade das Tierheim-Gelände verlassen, steht ein Mann vor dem Tor und meldet, dass in einer Wohnung in der Nähe eine Frau zwei Kaninchen hält, die schlecht versorgt werden. Nach dem Motto: "Was du heute kannst besorgen…" fährt die Tierheimleiterin zusammen mit einem Beiratsmitglied noch vorbei, um sich die "Missstände" anzusehen. "Missstände" ist eine starke Untertreibung, denn was die Tierschützer vorfinden, ist Tierquälerei pur. Ein Kaninchen, ein hochträchtiges Weibchen, sitzt in einem winzigen Käfig, gerade so groß wie es selber, ohne jegliches Heu, Stroh oder sonstiges Futter in völlig zugekoteten Sägespänen, in der Trinkwasserflasche befindet sich nur noch ein winziger Rest. Die Frau gibt zu, dass sie noch ein zweites Kaninchen besitzt, ein unkastriertes Böckchen. Wo es sich befindet?

 

Na, im Keller halt! Die beiden Tierschützer folgen ihr in einen dunklen, feuchten, durch Sicherheitsschloss abgeriegelten Kellerraum, in dem sich ein zweites, falls überhaupt möglich, noch erbärmlicher gehaltenes Kaninchen befindet. Dieses hier hat nicht einmal Wasser! Auf die Frage, wozu sie denn die Tiere überhaupt halte, zuckt die Frau die Achseln: "Na, als Kinderspielzeug halt!" Die beiden Frauen vom Tierheim schlucken ihren Zorn erst mal hinunter und bieten im Interesse der Tiere einen Kompromiss an: Übereignet man ihnen beide Kaninchen, so werden sie von einer Anzeige absehen. Die Frau zeigt sich geneigt, denn im Grunde sind ihr die Tiere ja lästig und sie ist froh, sie los zu sein. So werden die beiden Langohren postwendend ins Tierheim gebracht und erst einmal ordentlich versorgt. Beide kuscheln sich tief ins duftende Heu, und die angebotenen Möhren werden blitzschnell weggeknabbert. Können Kaninchen strahlen? Für uns sieht es so aus! Bleibt zum Schluss die bittere Frage, wie viel "Kuscheltiere" auf diese Weise in Kellerräumen ihr Leben fristen müssen. Sie können nun mal nicht schreien.

 

Dass Tiere vor dem Tierheimtor ausgesetzt werden, ist für uns ja leider nichts Neues und geschieht in relativ regelmäßigen Abständen. Diesmal jedoch flammt die Empörung besonders hoch: die ganze Nacht hatte der Wind schwere Hagel- und Regenschauer vom Himmel gepeitscht und auf allen Wegen strömte Wasser. Der Tierpflegerin, die morgens als erste am Tor ist, bietet sich ein erbarmungswürdiges Bild: Klatschnass und zitternd, mit einem schweren Stachelhalsband und durch ein Seil so eng ans Tor gefesselt, dass er sich weder setzen, geschweige denn legen kann, steht ein riesiger Hund, ein Rottweiler-Schäferhund-Mix. Ganz allmählich gelingt es, sich dem völlig verunsicherten und dadurch schwer einschätzbaren Rüden zu nähern. Als man ihn von seinem scharfen Stachelhalsband erlösen will, ist dazu eine Zange nötig, um die schweren Stahlglieder durchzukneifen - so eng sitzt es am Hals des Tieres fest.



 

 

"Jigga", anfangs -mit Recht! - sehr skeptisch Menschen gegenüber, nimmt inzwischen bereitwillig Leckerchen und ist auch Streicheleinheiten nicht abgeneigt. Wir aber wünschen dem Besitzer einmal die gleichen Ängste und Schmerzen, die er seinem unschuldigen Hund wissentlich zugefügt hat! (Sollte jemand den Hund wiedererkennen, freuen wir uns über jeden Hinweis, um den Besitzer für diese Tat zur Verantwortung ziehen zu können.)

 


Pechvogel des Jahres: Wenn es einen Pokal für den größten Pechvogel des Jahres gäbe, so würde ihn mit Sicherheit Tweety gewinnen, denn viel schlimmer kann es kaum kommen! Als Welpe zu uns ins Tierheim gekommen, danach dreimal vermittelt und immer wieder zurück gegeben, weil seine Ahnen ihm Eigenschaften vererbt haben, die eigentlich gewünscht und gewollt sind, vom Halter jedoch einige Sachkenntnis erfordern: die typischen Verhaltensweisen eines Herdenschutzhundes. Im Klartext: das eigene Rudel wird behütet und beschützt, Fremden gegenüber ist man jedoch äußerst misstrauisch. Nach einem Fernsehauftritt bei "Tiere suchen ein Zuhause" rief jedoch eine Dame an, die mit den Eigenschaften bestens vertraut war und schon solch eine Hündin hatte - die Chance für Tweety! Nach den üblichen Formalitäten konnte der Rüde bald in sein neues Zuhause einziehen und als nach drei Tagen ein begeisterter Anruf kam: "Ein Top-Hund, genau, der, den ich suchte!" waren wir sicher: Diesmal hat es geklappt! Ein Anruf des Tierheims Troisdorf Mitte Juli reißt uns allerdings aus allen Träumen: "Hallo, bei uns sitzt seit zwei Monaten ein Findling, und aufgrund seines Chips haben wir herausgefunden, dass das Tier von euch ist."

 

Wir konnten es nicht fassen, es handelte sich um Tweety. Zwar hatten die Kollegen aus Troisdorf die Besitzerin ausfindig gemacht und ihr viele Male eine Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen, jedoch ohne Reaktion. Gleich am nächsten Tag wurde der Hund von uns abgeholt. Alle Mitarbeiter standen am Tor, um ihn gebührend zu empfangen, als er mit hoch erhobenem Schwanz "sein Tierheim" betrat und all die vertrauten Tierpfleger voller Freude begrüßte. Ja, da ist er nun wieder, zum vierten Mal bei uns und dieses Mal sogar ausgesetzt. Nur durch die Aufmerksamkeit der Troisdorfer wieder bei uns gelandet - Danke, liebe Kollegen! Wir aber hoffen mit unserem Tweety, dass sich irgendwann doch ein Mensch findet, der zu ihm mit all seinen eigentlich doch positiven Eigenschaften - er ist im Grunde ein Traumhund! - uneingeschränkt "Ja" sagt, ein ganzes Hundeleben lang.


Happy End für zwei Betagte: Die eine ist die 19 Jahre alte Katze "Golderi", die eigentlich Mieze heißt und die andere Betagte ist Miezes 85 Jahre altes Frauchen, die plötzlich ins Pflegeheim kam. All die Jahre hatte die alte Dame sich so gut um ihre Katze gekümmert und nun konnte sie es nicht mehr! Mieze kam zu uns ins Tierheim und verlor so im hohen Alter noch ihr Zuhause. Die Vermittlungschancen für so ein altes Tier sind sehr gering und umso mehr freut es uns, dass eine langjährige, ehrenamtliche Helferin, die Mieze eigentlich nur in Pflege nehmen wollte, sich entschied, diese tolle "Glückskatze" zu behalten. Der Zustand der alten Dame, hatte sich inzwischen dramatisch verschlechtert - man befürchtete sogar, sie würde sterben. Aber als die 85 jährige hörte, dass es ihrer geliebten Mieze gut ging, kam sie plötzlich wieder zu Kräften. Mittlerweile hatte sie bereits Besuch von Miezes neuem Frauchen und sie kann sogar wieder lachen, weil sie die Katze in guten Händen weiß! Wie schön, dass die zwei Senioren auf ihre alten Tage noch ein Happy End erleben durften!

 

Etwas übertrieben… Eines Abends im Juli ging bei der Polizei (!) ein Notruf ein: Die hauseigene Katze, seit 3 Jahren Familienmitglied hatte das 13 Monate alte Baby gekratzt und sollte daraufhin sofort "dingsfest" gemacht werden. Das Anliegen wurde an uns weitergereicht und unser Notdienst-Mitarbeiter konnte eine Gnadenfrist für Lilly bis zum nächsten Tag erwirken. Man drohte an, die gemein gefährliche Katze sofort am folgenden Tag vorbei zu bringen - zumal sie auch eine Passantin angefallen haben soll! Das Vorbeibringen dauerte noch bis kurz nach Feierabend an, dann war "Lilly" die letzte, die ins Katzenhaus einquartiert wurde. Das die Katze vor gar nicht langer Zeit Babys zur Welt gebracht hatte (die die Familie längst vermittelte) und ihre Hormone wohl noch etwas durcheinander waren, verschwieg man uns erst. Im Tierheim ist Lilly eine ganz normale, verschmuste Katze - mit einem Hauch von Zurückhaltung bei ihr fremden Personen - und möchte endlich ein gutes Zuhause bekommen, bei Leuten die nicht sofort die Polizei rufen, wenn Katze mal kratzt…

 

                                  



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