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Kurznachrichten Juni 2004




Armer schwarzer Pudel! Anruf eines Beamten vom Bundesgrenzschutz: Am Siegener Bahnhof läuft völlig orientierungslos ein schwarzer Hund herum! Wir kümmerten uns darum und fanden einen völlig verfilzten kleinen Pudelmischling vor, dessen schwarzes Fell in dicken Filzplatten fast bis zur Erde hing. Wir tauften ihn "Krabet" und da sich erwartungsgemäß kein Besitzer meldete, ließen wir den kleinen Rüden scheren, damit die schon geschädigte Haut sich erholen konnte. Bei dieser Prozedur konnte man außer seiner Wolle noch etwa 30 festgebissene Zecken von ihm entfernen! Nach über 10 Tagen endlich schien er daheim auch vermißt zu werden, denn die Besitzerin meldete sich im Tierheim. Sie beschimpfte uns erst einmal, dass wir ihren Hund "einfach so" aufgenommen hatten!

 

Hätten wir ihn laufen lassen, dann wäre er bestimmt längst zu Hause angekommen und da sie das Fell des Hundes täglich kämmen würde, seien alle unsere Vorwürfe bezüglich der schlechten Pflege erlogen! Momentan überlegt sie noch, ob sie den Hund - der entstandenen Kosten wegen - überhaupt zurückhaben will. Wir werden natürlich alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um dies zu verhindern!

 

Letzte Meldung: Die Besitzerin wollte den Hund dann - zum Glück - nicht mehr wiederhaben und Krabet fand bereits ein tolles, neues Zuhause als Zweithund bei einer netten Familie!


Familienzusammenführung: Erinnern Sie sich noch an Dino & Sniff?? Das Rentner-Hunde-Duo kam im hohen Alter zu uns und es gestaltete sich als schwierig, die beiden zu vermitteln. Sniff hatte Glück und wurde von einem netten Ehepaar (dem Tierheim sehr zugetan und hier wohlbekannt!) adoptiert. Die beiden hätten auch Dino genommen, aber er fiel durch beim Katzentest: Dino gebar sich im Katzenhaus wie ein Verückter! Während Sniff also schon längst ein gutes endgültiges Zuhause hatte, wartete der alte Dino immer noch auf sein Glück. Zweimal wurde er von uns vermittelt und zweimal kam Pechvogel Dino wieder zurück ins Tierheim! Bei der ersten Vermittlung fraß er tagelang nichts und vermißte einen Artgenossen. Verzweifelt brachte sein neuer Besitzer ihn wieder.

 

Auch die nachfolgenden Leute brachten Dino zurück, weil eine Trennung bevorstand und man die vorhandenen drei Hunde so schlecht durch zwei teilen konnte. Dino verlor also zum 3. Mal sein Zuhause. Da packte uns der Ehrgeiz: Wäre doch gelacht, wenn wir dem alten Kerl - der übrigens besonders intelligent war! - nicht schmackhaft machen könnten, dass Katzen ganz nette Tiere sind! Mit Zeit, Geduld, Fingespitzengefühl, jede Menge Spießbraten (Dinos Leibgericht) und einer selbstbewußten, hundeverträglichen Katze "Mira" gelang es uns tatsächlich, Dino zum Katzenfreund umzupolen. Nun stand einer Zusammenführung der alten Kollegen Dino & Sniff nichts mehr im Wege! Wir wissen nicht, wer sich mehr gefreut hat - Sniff, weil er seinen Freund wieder hatte, Dino, weil er endlich ein tolles Zuhause ganz nach seinem Geschmack gefunden hat, das Tierheim-Team, weil wir derartige Happy Ends so selten haben oder die neuen Besitzer, weil sie durch zwei tolle, alte Hundesenioren eine Bereicherung fanden...

 

Letzte Meldung: Mit den Katzen und allen anderen Tieren im neuen Heim klappt alles bestens und wir dürfen sicher sein, dass diese erfolgreiche Familienzusammenführung ein Volltreffer war!

 

Großfamilie: Vor etwa einem Jahr ging eine Außendienstmitarbeiterin einem Anruf nach wo es hieß, eine Familie hätte 9 Katzen und alle wären unkastriert und schlecht versorgt. Die Tiere waren tatsächlich unkastriert, befanden sich aber in einer guten Verfassung. Der Versuch, die Besitzerin davon zu überzeugen, dass sie doch die Katzen bitte kastrieren soll, schlug fehl. Sie hätte immer gute Abnehmer für die Kleinen und außerdem sollte man den Tieren ruhig ihren natürlichen Lauf lassen. Unverrichteter Dinge, aber reichlich frustriert zog die Außendienstlerin von dannen. Ein erneuter Besuch einige Monate später - man wollte der Familie die Kastration der Tiere doch noch einmal nahe legen und evtl. Unterstützung zusagen - brachte zutage, dass sie samt ihren Katzen unbekannt verzogen waren.

 

In diesem Monat standen sie plötzlich im Tierheim und baten verzweifelt um Hilfe: 5 Katzenwürfe mit insgesamt "etwa" (beim Nachzählen hatte man so seine Schwierigkeiten...) 20 Katzenbabys bevölkerten deren Wohnzimmer. Dazu sollten 3 Kater kastriert werden und später dann die Katzenmamas. Die Tiere abzugeben, da ja offensichtlich kein Geld für die Versorgung vorhanden war, kam nicht in Frage! Hier erübrigt sich wohl jeglicher Kommentar... Die Katzen sollten eigentlich in den nächsten Tagen ins Tierheim gebracht werden und sind bis heute noch nicht angekommen. Unter der angegebenen Handy-Nr. ist niemand erreichbar... Na dann fröhliches Katzen-vermehren!


Da waren´s plötzlich 13: Ein Vater hatte seinen Kindern etwas Gutes tun wollen und kaufte ihnen einen Hamster in der Zoohandlung. Die Kinder sind offenbar ebenfalls nachtaktiv und sollten das Tier zum Spielen bekommen. In der Zoohandlung hatte man ihm nicht nur verschwiegen, dass Tiere kein Spielzeug sind, sondern man verkaufte dem Mann gleich eine schwangere Hamsterdame. Die bekam dann auch recht schnell ihre Babys, und was anfangs noch ganz niedlich aussah, wurde flugs zur Plage, denn dass Hamster sich relativ schnell vermehren, wußte der Vater wohl! Also - ab mit den Tieren ins Tierheim (der Zoohändler weigerte sich übrigens diese aufzunehmen...!) und weil die Hamstermama ein Kind "beim spielen" übel gebissen hatte, wurde sie auch gleich mit abgegeben.

 

Nun hoffen wir, dass für die 13 Zwerghamster diese Zahl keine Unglückszahl ist, und alle bald ein glückliches, artgerechtes Zuhause bekommen!

 

Bambi allein im Garten: Anruf im Tierheim von einer älteren Dame: "Bitte helfen Sie mir, böse Menschen haben in meinem Garten ein Reh ausgesetzt!" Auf die Antwort, es sei doch eher unwarscheinlich, dass jemand ein Reh aussetze, reagierte die Dame recht ungläubig. Sie sei sich aber sehr sicher, schließlich habe man vor 2 Jahren auch schon mal einen Hahn bei ihr ausgesetzt! Das Reh würde außerdem in ihrem Garten anfangen alles kahl zu fressen, wir sollten doch bitte kommen und es einfangen! Glücklicherweise sind wir für Wildtiere nicht zuständig - wenn sie verletzt sind oder in Not, versuchen wir selbstverständlich zu helfen! - und konnten in diesem Fall auf den zuständigen Förster verweisen. Ob und wie dieser die Fangaktion meisterte, ist uns allerdings nicht bekannt.

 

Kater harrte neben toten Frauchen aus: Es war kein einfaches Unterfangen, Kater "Muckel" ins Tierheim zu bringen! Sein Frauchen, eine ältere Dame verstarb und der treue Kater harrte zwei Tage dicht neben ihr aus, bis beide von Angehörigen entdeckt wurden. Muckel, der sich in seinen 9 Jahren nur von der alten Dame anfassen und verwöhnen ließ, wollte auf gar keinen Fall die Wohnung verlassen, geschweige denn sich einfangen lassen. Ganze 2 Wochen versuchte man, den völlig verstörten Kater zu fangen - letztendlich gelang es mit einer Katzen-Lebendfalle, in die er hungrig reinging. Nun sitzt der arme Kerl panisch im Katzenfreigehege, versteht die Welt nicht mehr und trauert seinem toten Frauchen nach. Wir hoffen, dass sich Muckels seelischer Zustand bald zum positiven wendet, er ein wenig Zutraulichkeit gewinnt und irgendwann bald in ein neues Zuhause vermittelt werden kann. Ein Foto von Muckel war leider nicht möglich, weil den armen Kerl zur Zeit keiner zu Gesicht bekommt!


Magische, mystische Merle: Eines Tages kam ein südländisch aussehender und gebrochen Deutsch sprechender, freundlicher Mann ins Katzenhaus und fragte nach einer Katze. Da er aber eine reine Wohnungskatze wollte, konnten wir ihm nicht weiterhelfen. Das war für ihn anscheinend auch nicht weiter schlimm, denn eigentlich wollte er ja etwas ganz anderes, nämlich: Haare! Katzenhaare, schwarz mussten sie sein und nur von einer Katze, keinem Kater! Auf unsere erstaunte Nachfrage druckste er erst rum, erklärte aber dann, dass seine Frau bereits 5 Fehlgeburten hatte und nun ein Ritual ihr endlich zu einer komplikationslosen Schwangerschaft verhelfen sollte. Dazu brauchte er die Haare einer schwarzen Katze, die dann angesengt und von der Frau unter den Achseln getragen werden. So soll eine erneute Fehlgeburt abgeleitet und ihm Nachwuchs garantiert sein. Na wenn´s weiter nichts ist! Eine Mitarbeiterin betrat die Stube von unserer pechschwarzen Merle, bürstete sie ausgiebig und überreichte dem Mann feierlich die Katzenhaare.

 

Dieser strahlte und versprach auf jeden Fall wiederzukommen, wenn´s geklappt hat. Ja und sollte es ein Mädchen werden ist der Name ja wohl klar, oder ?? Sachen gibt´s... 

 

Krähen-Chaos: Wieder einmal meldete sich morgens die Polizei am Notruf-Handy: Ein Tierfreund hatte im eigenen Garten mehrere, offensichtlich aus dem Nest gefallene junge Krähen entdeckt, die dringend gerettet werden mussten. Zum einen, da die Vögel noch flugunfähig waren und von alleine also nicht wieder ihr Nest erreichen konnten, zum anderen, weil der Tierfreund eine Katze besaß, die bereits ein Vogel verspeißt hatte und auf die anderen lauerte!

 

Unser Mitarbeiter fuhr sofort zum "Tatort" und es gelang ihm, 2 der jungen Krähen einzusammeln. Das Nest befand sich in einer mindestens 20 m hohen Tanne, und die Vögel dort mal eben wieder reinzusetzen, war selbst für unseren Notdienst-Mann zu schwierig. Kaum waren die jungen Krähen auf einer Pflegestelle untergebracht, klingelte mittags erneut das Notruf-Handy: Wieder eine hilflose Krähe am Boden... Auch diese wurde gerettet und gut versorgt. Der verdiente Feierabend am späten Nachmittag war unserem Mitarbeiter nicht gegönnt, denn zum 3. Mal nahm er einen Krähennotruf entgegen! Gemeinsam suchte man mit dem Anrufer eine 4. Krähe und auch diese landete erst einmal in der Pflegestelle. Als allerdings am Abend erneut das Telefon klingelte und unser Notdienst die offensichtlich letzte, aus dem Nest gefallene Krähe einfangen sollte, bat er dann doch den besorgten Tierfreund, das Tier selbst zur Pflegestelle zu fahren, was der Mann auch gerne erledigte. Die Katze wird nun wieder auf Dosenfutter zurückgreifen müssen, die Krähen werden wohl bald wieder ausgewildert werden und unser Mitarbeiter hofft von Krähen in den nächsten Tagen verschont zu bleiben!


Hope heißt Hoffnung: Mitte Juni brachte eine junge Frau einen jungen Deutschen Riesen mit einer unglaublichen Geschichte: Ihr Freund hatte bei einem Trinkgelage einem Kumpel das arme Tier für 20 € abgekauft, weil dieser die Idee hatte, das Kaninchen auf den Grill zu legen. Die Kumpels verfolgten im Fernsehen ein Fußballspiel und tranken ordentlich dabei. Irgendwann überkam sie der Hunger, aber der Kühlschrank war leer. Da kam der Gastgeber plötzlich auf die Idee, das Haustier zu schlachten es anschließend zu grillen. Abgesehen davon, dass Kaninchen "Hope" wie wir ihn tauften, ziemlich abgemagert war und wahrscheinlich nicht einmal einer davon satt geworden wäre, war hier zu erkennen: Hope wurde auch vor seiner Rettung nicht gerade vorbildlich gehalten.

 

Jedenfalls war der junge Mann - besoffen hin, besoffen her - ein vorbildlicher Tierfreund, rettete dem hübschen schwarz-weißen Kaninchen mit den langen Stehohren das Leben, indem er es mit heim nahm. Auch wenn seine Freundin das Tier nicht behalten wollte, so hoppelt der kleine "Hope" wenigstens keiner ungewissen Zukunft entgegen, denn hier hat er die Chance auf ein gutes, dauerhaftes, artgerechtes Zuhause bei freundlichen Kleintier-Fans, mit denen er alt werden darf - ohne zu befürchten in der Pfanne oder gar auf dem Grill zu landen!

                                  



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